Sportstruktur

Starker Nachwuchs – aber dann??

Heute hat sich die U19 des ÖFB sicher und souverän für die U20-WM im kommenden Jahr qualifiziert … Ein Erfolg mehr in der langen Liste der ÖFB-Nachwuchserfolge. Doch wann hat sich die A-Nationalmannschaft das letzte mal aus eigener Kraft für ein Großereignis qualifiziert? Stimmt: 1998 in Frankreich …

Ein fußballspezifisches Phänomen? Im Nachwuchs top, im Elitebereich flop?

Leider nein. So gut wie alle Mannschaftssportarten, vor allem aber die Einzelsportarten haben in Österreich genau dieses Problem. Was aber machen die anderen Nationen besser? Eigentlich nichts – nur wir machen Einiges deutlich schlechter. Eine kurze Auswahl der Themen, mit denen ich mich in den nächsten Monaten hier im Blog beschäftigen werde – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Trainerausbildung – fehlendes Berufsbild Trainer, fehlende Gleichstellung zu akademischen Ausbildungen, fehlende einheitliche Struktur
  • Sportförderung – nicht die Gesamtsumme der Mittel sondern der Anteil, der auch wirklich bei den Sportlern und ihrem Umfeld ankommt
  • Vereinbarkeit von Spitzensport und schulischer/beruflicher Ausbildung – schwieriger Einstieg ins Berufsleben
  • Politisch motivierte anstelle fachlich fundierter Entscheidungen, zB bei der Vergabe von Heeressportplätzen
  • fehlende Fokussierung auf den Spitzensport in Kernsportarten
  • maximal komplizierte Sportorganisation – wo sonst gibt es eine derartige Vielzahl an Institutionen, die alle vorgeben, den Sport entwickeln zu wollen, insgeheim aber vorrangig mit dem Schutz der eigenen Pfründe beschäftigt sind?
  • Die Kompetenz für Spitzenpositionen im Sport liegt oft im Parteibuch oder dem guten Namen als ehemaliger Spitzensportler, selten aber in der wirklichen Kompetenz – vor allem in den Management-Positionen, die großteils wirklich amateurhaft mit „Arbeit“ gefüllt werden.
  • In der Schule werden Bewegungsdrang und -freude der Kinder regelrecht abgetötet.
  • Professionelles Umfeld für eine breitere und nicht nur die absolute Spitze fehlt.

Das Kernproblem ist für mich aber ein anderes, ein gesellschaftliches: In Österreich genießt der Sport nicht den Stellenwert, der für einen richtigen Nährboden für Spitzenleistungen notwendig wäre. Tägliche oder beinahe tägliche Bewegung müsste für fast jeden Österreicher normal sein. Nicht nur Schifahrer oder Fußballer taugen als Volkshelden (mit entsprechender Präsenz nicht nur in Regionalzeitungen oder auf ORF Sport+) – wenn jemand alles, wirklich alles für seinen Sport gibt, sollte das Bewunderung und nicht Kopfschütteln auslösen. Wer in seiner Laufbahn die für Spitzensport nötigen Charaktereigenschaften unter Beweis gestellt hat, sollte auf Grund genau dieser Persönlichkeitsmerkmale dann auch auf entsprechende Wertschätzung in Unternehmen stoßen.

Unter den derzeitigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hat kaum ein Sportler die Chance, sich mit 100% Leidenschaft und Einsatz seinem Sport zu widmen – er muss immer eine Menge anderer Anliegen im Kopf haben. Erfolge im Spitzensport sind aber nur mit dieser Hingabe realisierbar. So gibt sich der Österreicher (oft zwangsläufig) mit kleineren Erfolgen auf nationaler Ebene zufrieden anstatt dass er sich mit der nötigen Gewinnermentalität und Fokussierung ins internationale Kräftemessen wirft. Als „guter Österreicher“ darf man nicht anecken – Siegertypen sind aber diejenigen mit Ecken und Kanten, nicht die Mitläufer. Diese durchaus mangelnde „soziale Verträglichkeit“ ist in Österreich gesellschaftlich nicht akzeptabel. Wir wollen die netten, bequemen Idole.

Image: Al Case/Flickr

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