Sportstätten

Noch ein Fußballstadion??

Um die Sportstätten steht es in Österreich wirklich nicht besonders gut. Recht häufig sind sie entweder eindeutig sanierungsbedürftig, zu wenig nutzbar (Stichwort: gesperrte Schulturnhallen während Ferienzeiten) oder schlicht und ergreifend nicht oder nicht ausreichend vorhanden (Stichwort: 50-Meter-Becken für Schwimmer).

Für einen recht kleinen Staat wie Österreich ist es allerdings zugegebenermaßen eine erhebliche finanzielle Herausforderung, die Infrastruktur für die ganze Breite der Sportarten in ausreichendem Maß zur Verfügung stellen zu können. Zudem mag es durchaus unterschiedliche Ansichten zur klassischen „Henne-Ei-Problematik“ in der Sportentwicklung geben: Löst die Entwicklung einer Sportart Druck auf das Nachziehen der Infrastruktur aus oder folgt aus einer Optimierung der Infrastruktur quasi automatisch die Entwicklung der Sportart?

Eine recht spezielle Situation gibt es allerdings im Fußball – in Wien. Für viel Geld wurden oder werden Stadien für Rapid Wien (Allianz-Arena) und Austria Wien (Generali-Arena) errichtet bzw. erweitert, während der Wiener Sportclub und die Vienna mit ihren Spielstätten am Rande der Nutzbarkeit stehen. Außerdem gibt es noch das Ernst-Happel-Stadion, das auf die EM 2008 hin adaptiert und erneuert wurde – allerdings ist das Stadion kein reines Fußballstadion, es gibt eine Reihe anderer Nutzungen. Sicherlich keine ganz optimale Situation für den Fußball – aber welche Sportart hat das schon in Österreich?

Mittlerweile trägt der ÖFB sämtliche Pflicht-Heimspiele dort aus, verfügt dort aber nicht über ein Trainingszentrum sondern nur über Büroflächen. „Ein Neubau einer Multifunktional-Arena würde eine maßgebliche Weiterentwicklung für den ÖFB am Standort Wien bedeuten. Es ist offensichtlich, dass das 1931 erbaute Ernst-Happel-Stadion im internationalen Vergleich mittlerweile abfällt“, erklärte ÖFB-Präsident Leo Windtner im heurigen Juni (laola1.at).

So wünschenswert das aus Fußballsicht auch sein mag, so erstaunt doch die Unverfrorenheit, den Neubau des vierten „großen“ Fußballstadions in Wien zu fordern, wo sich die sportliche Leistungsfähigkeit der für das Stadion vorwiegend vorgesehenen Mannschaft, des Herren-Nationalteams, gerade wieder auf dem langjährigen Level weitab der Qualifikation für ein Großereignis einpendelt. Und das noch dazu vor dem Hintergrund, dass sich die finanzielle Schere zwischen dem Fußball und anderen Sportarten in den letzten paar Jahren dramatisch geöffnet hat (Stichwort: Fernsehverträge ua in der Premier League, 222-Millionen-Transfer von Neymar zu PSG).

In Zeiten, in denen praktisch alle Sportarten ums Überleben kämpfen, in eine Sportart zu investieren, der trotz mangelnden sportlichen Erfolgs immer mehr Geld zufließt, wäre wie ein Schlag ins Gesicht eben dieser Sportarten und ein sportpolitisch höchst bedenkliches Signal.

Image: Wiener Sportstätten

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