Sportpolitik

„república bananera“ aka Österreichische Sportpolitik

Dieser Tage sollen die Geschäftsführer der neu gegründeten Bundes-Sport GmbH gekürt werden ... Mit einem leider typisch österreichischen Besetzungsprozess ...

Mit 1.1.2018 werden so gut wie alle Förderaufgaben des Bundes in einer neu zu gründenden Bundes-Sport GmbH gebündelt. So weit, so gut … Zumindest die Idee ist grundsätzlich ja nicht schlecht, die Ausgestaltung ist definitiv ausbaufähig – die Qualität dieser Lösung ist massiv von der Auswahl der beiden Geschäftsführer abhängig, von denen vor allem der für die Sportförderung zuständige eine extrem herausfordernde Aufgabe vorfinden wird (Details im Gesetz).

Hatte sich Sportminister Hans Peter Doskozil vor dem Sommer noch namhafte Experten für diese beiden Positionen gewünscht, verkommt die Auswahl zu einem unwürdigen Schauspiel:

Klar ist für ihn, dass es bei den Geschäftsführer-Posten in der Bundes-Sport GmbH als auch in der Bundessporteinrichtungen Gesellschaft mbH zu keinen politischen Besetzungen kommen wird. „Alle Gerüchte sind reine Spekulationen“, so Doskozil. Für die Besetzungen stellt er sich „namhafte Experten“ vor.

Auf die mittlerweile öffentlich bekannten Namen der 6 (oder doch nur 5) Kandidaten für die Schlussauswahl bzw. die Hearings vor dem Aufsichtsrat und ihre Qualifikationen will ich nicht näher eingehen und auch nicht auf die Besetzung der Positionen in den diversen Gremien (Aufsichtsrat, 2 Beiräte, 2 Kommissionen) – im Sinne einer gewissen Ausgewogenheit verlinke ich hier die Berichte aus Standard und Presse:

Das Besetzungsverfahren wird in einer derart unprofessionellen Art und Weise abgewickelt, dass einem der letztlich Bestellte ob seines immensen Startnachteils jetzt schon leid tun muss.

  • Dass die Namen der Kandidaten an die Presse durchgesteckt werden, ist ein absolutes No Go. Dass es immer Gerüchte geben kann, ist ja einzusehen – dass (korrekte) Auflistungen in den Zeitungen stehen, müsste eigentlich jeden Bewerber dazu veranlassen, seine Bewerbung wieder zurückzuziehen. Die Vertraulichkeit bei Bewerbern aus ungekündigter Stellung nicht zu wahren, ist an Unprofessionalität nicht zu überbieten. Kernfrage: Wer hat’s warum gemacht? Wem hilft das Leck?
  • Zudem sind die (hohen) Gehälter dieser beiden Positionen bekannt – und die Tatsache, dass ein Bewerber in seiner aktuellen Funktion offensichtlich derzeit mehr verdient und darum seine Bewerbung zurückgezogen hat.
  • Diskussionen um die Frage, welcher Kandidat welchem politischen Lager zugerechnet werden kann oder muss, dominieren die Szene. Jemand, der dann offensichtlich wegen seiner politischen Nähe bestellt wird, hat in Sachen Kompetenzwahrnehmung einen enormen Startnachteil. Es wäre schön gewesen, wenn die Erstellung des Vorschlags in professionelle Hände gelegt worden und nicht Aufgabe von Funktionären wäre. So steht leider zu erwarten, dass die Entscheidung nicht fachlich sondern sportpolitisch motiviert getroffen werden wird.
  • Der Sportminister will mit aller Gewalt die Besetzung unbedingt noch vor der Nationalratswahl am 15.10. über die Bühne bringen. Damit könnte die Besetzung an dem Mangel leiden, dass sie uU gar nicht rechtskonform zustande gekommen ist. Es ist Aufgabe des Aufsichtsrats dem Minister einen Dreiervorschlag vorzulegen. Allerdings ist die Legitimität fraglich, da zumindest mit heutigem Stichtag noch keine GmbH im Firmenbuch aufscheint und somit auch kein legitimierter Aufsichtsrat eingerichtet sein kann.

Für den oben genannten Dilletantismus (sei er nun gewollt oder versehentlich) gibt es angesichts der Wichtigkeit der zu treffenden Entscheidung keine Entschuldigung.

Auslöser war eigentlich (wer sich noch daran erinnern kann, um was es eigentlich gehen würde) der mangelnde Eindruck, den Österreich in den Medaillenbilanzen von London 2012 und Rio 2016 hinterlassen hat. Wirklich dramatisch ist, dass sich seit etwa März kein Mensch mehr mit der Weiterentwicklung der Spitzensportstrategie und -struktur beschäftigt. Es geht ausschließlich darum, wer welche Posten besetzen darf und wer die damit verbundenen Einflussmöglichkeiten eingeräumt bekommt. Inhaltliches spielt schon lange keine Rolle mehr … In Hinblick auf Tokio 2020 ist ohnehin schon länger klar, dass nur kleine Zellen positiv Verrückter Erfolgsaussichten haben, aus dem System kommt jedenfalls kaum Schubkraft. Mit den Vorgängen des heurigen Jahres werden allerdings jetzt schon auch große Fragezeichen hinter die nachfolgenden Spiele gesetzt …

Image: Pixnio/Public Domain (CC0)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s